Bill Gates Proposes Tax on AI Tokens and Robots in New Essay
Bill Gates hat am 26. August 2026 einen rund 6.000 Wörter langen Essay veröffentlicht, in dem er eine neue Abgabe auf KI-„Tokens“ und Roboter fordert. Kerngedanke: Wer menschliche Arbeit beschäftigt, soll anders behandelt werden als Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen – und ausgerechnet das Messprinzip der Token-Abrechnung könnte dabei sowohl die größte Chance als auch die größte Angriffsfläche sein.
Hintergrund
In dem Essay mit dem Titel „The turbulent AI era is here. The choices we make now are critical.“ beschreibt Gates, dass die Branche nach seiner Wahrnehmung wiederholt Schwellen überschreitet, an denen sie zuvor innehielt. Er bündelt seine Vorschläge in drei Forderungen: den Aufbau neuer nationaler und internationaler Institutionen, eine Kategorie von Aufgaben, die Menschen vorbehalten bleiben soll („Human Reserved“), sowie eine Abgabe auf KI-Tokens und Roboter.
Gates stellt dabei heraus, dass nur die dritte Forderung über eine technische Grundlage verfügt. Genau darin sieht er zugleich eine Schwachstelle, weil die Messung an Grenzen gebunden ist, die sich in der Praxis durch Architekturentscheidungen umgehen lassen.
Was Gates vorschlägt: Token-Steuer als Mechanismus
Für die Abgabe nutzt Gates den Begriff „Token“. Dabei handelt es sich um die kleinste Abrechnungseinheit kommerzieller Sprachmodelle: Anbieter zerlegen Text in Wortbestandteile und berechnen typischerweise pro Million Tokens einen Preis.
Gates greift damit auf eine Einheit zurück, die es in der von ihm genannten Form 2017 noch nicht gab. Damals hatte er erstmals eine Robotersteuer ins Gespräch gebracht und erhielt dafür breite Ablehnung. Der Vorwurf: Niemand habe rechtssicher definieren können, was ein Roboter ist und wie man ihn zählen sollte.
In den Jahren danach hat sich der Ton verändert. Gates verweist in seinem Essay darauf, dass er im März 2025 noch kostenlose Angebote für KI-„Ärzte“ und KI-„Lehrer“ in Aussicht stellte. Die Begründung für die Abgabe selbst bleibt aber laut Darstellung unverändert: Wer Menschen anstellt, zahlt Lohnnebenkosten, wer Maschinen kauft, schreibt sie ab.
Er argumentiert außerdem, dass eine solche Steuer die Ersetzung von Arbeit durch Maschinen ökonomisch weniger attraktiv machen soll. Gleichzeitig räumt Gates ein, dass die Steuer bei seiner Betrachtung nicht besonders effizient sei – angesichts des Innovationstempos könne man jedoch gewisse Ineffizienz in Kauf nehmen.
USA: Konkreter Gesetzesentwurf zu „AI Tax“ und Arbeitsmarktschutz
- Am 6. August 2026 brachte der US-Abgeordnete Greg Casar den Entwurf „AI Tax and Work Protection Act“ ein.
- Der Vorschlag sieht vor, dass große KI-Unternehmen entweder auf den Wert der verkauften Tokens oder auf den Umsatz mit KI-Produkten zahlen – je nachdem, welcher Betrag höher ausfällt.
- Der Steuersatz soll automatisch steigen, sobald die Arbeitslosenquote fünf Prozent übersteigt.
Wo eine Token-Steuer greift – und wo nicht
Gates erklärt, dass sich eine Abgabe auf Tokens nur dort erheben lässt, wo ein Abrechnungsprozess stattfindet. Das betrifft kommerzielle Anbieter an der Schnittstelle, an der Tokens tatsächlich fakturiert werden – also im Kern Cloud-Dienste, die unter Vertrag arbeiten und Tokens messbar in Rechnung stellen.
Anders sieht es bei Modellen aus, die mit offenen Gewichten lokal auf eigener Hardware betrieben werden: Dort entstünden Tokens ohne Vertragspartner, Zähler oder Beleg – zumindest in dem Sinn, der für eine Token-Abgabe nötig wäre.
Damit würde eine Token-Steuer aus Gates’ Sicht ausgerechnet den Weg über die Cloud verteuern, während lokale Inferenz zunächst unangetastet bliebe. Er nennt das jedoch nicht als feste Garantie, sondern als strukturelle Auswirkung des Messsystems.
Als praktisches Beispiel verweist der Text auf Nvidia, das mit „Nemotron 3.5 Lightning“ ein Modell mit offenen Gewichten ausliefert. Zudem gibt es GGUF-Varianten für Umgebungen wie Ollama, llama.cpp und LM Studio; für den Einstieg genüge laut Darstellung bereits eine Gaming-Grafikkarte mit 8 GiB Speicher.
Casars Entwurf adressiert diese Lücke in einer eingeschränkten Form: Open-Weight-Modelle auf eigener Hardware sollen nur dann besteuert werden, wenn Unternehmen damit Personalkosten senken. Allerdings fehle laut Essay bislang das geeignete Instrument, um diese Voraussetzung nachweisen zu können.
„Human Reserved“: Arbeit, die Maschinen nicht übernehmen sollen
Als zweite Säule schlägt Gates „Human Reserved“ vor. Damit meint er den Schutz von Tätigkeiten, die Maschinen technisch vollständig übernehmen könnten, die aber dennoch ausdrücklich nicht von Automatisierungssystemen erledigt werden sollen.
Sein Beispiel: Ein Roboter könnte einem Patienten eine unheilbare Diagnose mitteilen – technisch möglich, aber unerwünscht. Gates sagt, die Idee stamme aus der Betreuung seines an Alzheimer erkrankten Vaters, und beschreibt diese Art von Arbeit als unersetzbar menschlich.
Gates lässt offen, wer genau festlegen soll, welche Berufe unter diesen Schutz fallen, und wie Umgehungen verhindert werden könnten. Er betont, das müsse öffentlich verhandelt werden.
Zur Größenordnung verweist Gates darauf, dass er die Idee bereits mit dem Chatbot Claude „durchgespielt“ habe: Rund 40 Prozent der Arbeit ließen sich seiner Darstellung zufolge so reservieren, indem man Menschen kürzere Arbeitstage und einen früheren Ruhestand ermöglicht.
Deutschland und EU: Keine Token- oder Robotersteuer in Sicht
Für Deutschland und die EU nennt der Text derzeit keinen Gesetzentwurf, der KI-Tokens besteuert. Das Europäische Parlament habe eine Robotersteuer bereits 2017 abgelehnt – im selben Jahr, in dem Gates sie erstmals vorgeschlagen hatte.
Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags hätten die Debatte 2025 aufgearbeitet und dabei zwei Einwände genannt: Es fehle an einer Definition, die Roboter und KI langfristig abgrenzen könne – insbesondere gegenüber einfachen Verkaufsautomaten. Zudem sei ein Alleingang auf nationaler Ebene riskant, weil er Unternehmen zur Sitzverlagerung anreizen könnte.
Südkorea bleibt laut Bericht bis heute das einzige Land, das überhaupt Maßnahmen ergriffen hat. Dort sei damals allerdings lediglich eine Steuervergünstigung für Automatisierungsinvestitionen gekürzt worden. Neun Jahre später sei die „Maßeinheit“ zwar vorhanden, ein entsprechendes Gesetz aber nicht.
Einordnung: Welche Spieler und Systeme betroffen wären
- Eine Token-Abgabe könnte Cloud-KI in den USA verteuern und damit Unternehmen, Entwickler und Nutzer kommerzieller KI-Dienste direkt treffen.
- Lokal ausgeführte KI auf eigener Hardware bliebe von einer reinen Token-Abgabe zunächst eher unberührt – wodurch leistungsfähige PCs und Grafikkarten relativ attraktiver werden könnten.
- Für Arbeitnehmer wäre entscheidend, welche Tätigkeiten künftig als „Human Reserved“ geschützt werden können; konkrete Regeln fehlen bislang, ebenso wie ein entsprechender Gesetzentwurf in Deutschland oder der EU.


