Dead Internet Theory Update: Bots Drive 57.5% of HTML Requests on June 24, 2026
Bots und automatisierte Systeme dominieren immer häufiger den Abruf von HTML-Seiten – zumindest, wenn man den Blick auf HTTP-Anfragen richtet. Eine neu ausgewertete Kennzahl zeigt, dass am 24. Juni 2026 rund 57,5 Prozent der HTML-bezogenen Requests von automatisierten Akteuren kamen. Das klingt nach einem spektakulären Sieg der “Dead Internet Theory”, die Datenlage belegt jedoch vor allem eins: Wer Webseiten aufruft, ist nicht automatisch gleichbedeutend damit, wer Inhalte erstellt oder ob Menschen im Netz “verschwinden”.
Zeitraum, Messpunkte und betroffene Plattformen/Umfelder
| Quelle / Studie | Messzeitraum oder Jahr | Ergebnis (automatisierte Anteile bzw. Wachstum) |
|---|---|---|
| Cloudflare | 24. Juni 2026 (HTTP-Anfragen zu HTML-Inhalten) | 57,5% automatisiert, 42,5% durch Menschen |
| Thales (Bad Bot Report) | Gesamtjahr 2025 (Vergleich zu 2024) | Mehr als 53% automatisierter Web-Traffic (51% in 2024) |
| HUMAN Security | Januar bis Dezember 2025 | KI-Agenten/agentische Browser: +7.851% YoY; Scraper: +597% |
Cloudflare ordnet die beobachteten Abrufe jedoch nicht einfach als “KI-Agenten” ein. Der Begriff “Bots” umfasst laut Einordnung neben modernen KI-gestützten Systemen auch klassische Suchmaschinen-Crawler sowie Monitoring- und Security-Lösungen – außerdem Scraper und schädliche Bots. Genau deshalb lassen sich die öffentlich oft zitierten Werte nicht 1:1 als Beweis dafür lesen, dass KI-Agenten bereits “das halbe Internet” übernommen hätten.
Auch ein eigener Ansatz zur Einordnung kommt zu einem ähnlichen Trend: Der Bad Bot Report von Thales beziffert für das Gesamtjahr 2025 den automatisierten Anteil am Web-Traffic auf mehr als 53 Prozent, nach 51 Prozent im Jahr 2024. Dass die Zahlen nicht exakt deckungsgleich sind, liegt dabei nicht an widersprüchlichen Beobachtungen, sondern an unterschiedlichen Messmethoden.
KI-Agenten wachsen besonders stark – aber von kleiner Basis
Während der Gesamttrend Richtung mehr Automatisierung geht, steigt innerhalb der Auswertungen von HUMAN Security eine Untergruppe besonders schnell: Der Datenverkehr von KI-Agenten und “agentischen Browsern” habe sich innerhalb eines Jahres um 7.851 Prozent (YoY) erhöht. Scraper seien im selben Zeitraum um 597 Prozent gewachsen. Grundlage der Erhebung sind mehr als eine Billiarde analysierter Interaktionen im Jahr 2025 (Januar bis Dezember 2025).
Wichtig ist die Einordnung: Diese 7.851 Prozent sind eine Wachstumsrate, kein Anteil am gesamten Web-Traffic. Selbst innerhalb des von HUMAN erfassten KI-Verkehrs stellen Trainingscrawler weiterhin den größten Block: mit 67,5 Prozent. Agentische Browser verhalten sich dagegen stärker wie menschliche Nutzer – sie können komplette Webseiten aufrufen, Links anklicken und Formulare ausfüllen.
Mehr Automation heißt mehr Sicherheits- und UX-Entscheidungen
Für Entwickler wird die Abgrenzung zwischen “echten” Nutzern und automatisierten Abrufen zunehmend relevant. In einer Entwicklerbefragung von Postman gaben nur 24 Prozent an, ihre APIs bereits mit KI-Agenten im Hinterkopf zu designen. Gleichzeitig bewerten 51 Prozent unautorisierte oder übermäßige API-Aufrufe durch Agenten als Sicherheitsrisiko.
Auch wenn Webseitenbetreiber Automatisierung zulassen wollen, ist das Verhalten nicht immer frei von Hürden: Forscher der Universität Bamberg untersuchten 10.000 Webseiten und stellten je nach Browserkonfiguration Soft-Block-Raten von rund 7 bis 15 Prozent fest. Das bedeutet: Selbst legitime automatisierte Zugriffe können je nach technischer Umsetzung und Regeln der Zielseite in Block- oder Drosselmechanismen laufen.
Was die Zahlen wirklich aussagen – und was nicht
Für Nutzer ist der zentrale Punkt ernüchternd: Ein Anteil von 57,5 Prozent an automatisierten HTML-Abrufen sagt nicht darüber aus, wie viel der gelesenen Inhalte von Menschen oder KI erstellt wurde. Er beschreibt lediglich, wer Webseitenanfragen auslöst.
Für Betreiber hingegen ist der Handlungsbedarf klarer. Der Bot-Boom zwingt dazu, nicht nur menschliche Besucher zu berücksichtigen, sondern auch zunehmend automatisierte Zugriffe in Planung, Schutzmechanismen und Betrieb einzubeziehen. Ob es sich dabei im konkreten Fall um KI-Agenten handelt, hängt von deren Implementierung und von den Erkennungs- und Zugriffsregeln der jeweiligen Website ab.
Damit ist auch die “Dead Internet Theory” nicht automatisch bestätigt. Die Daten zeigen vor allem: Automatisierte Abrufe nehmen zu. Ob und wie sich menschliche Inhalte, Interaktionen oder echte Nutzung dadurch langfristig verändern, bleibt offen.


