German Brick Rival Halts EU Overseas Orders Over EU Packaging Rules
Ein deutscher Anbieter von Klemmbausteinen zieht sich aus dem EU-Auslandsgeschäft zurück, nachdem die neue Verpackungsregel der Europäischen Union gerade für kleine Händler zu viel Bürokratie mit sich bringt. Auch Bestellungen aus Österreich bleiben aktuell aus – und der Hersteller rechnet vor, warum die Fixkosten selbst bei wenigen Kunden pro Land schnell die Grenze der Wirtschaftlichkeit sprengen.
Der Auslöser ist die umstrittene EU-Verpackungsverordnung: Händler müssen sich in jedem Zielland in ein Register eintragen und außerdem einen Bevollmächtigten benennen, sofern sie dort keine Niederlassung betreiben. Für große Plattformen und Händler gilt das als weniger existenzbedrohlich, weil die Prozesse und Kostenstrukturen besser skaliert werden können. Für kleinere Unternehmen hingegen stehen Aufwand und Nutzen für den Versand ins Ausland offenbar nicht mehr in einem gesunden Verhältnis.
Diese Entwicklung macht nun auch ein konkretes Unternehmen öffentlich: Der deutsche Klemmbaustein-Wettbewerber Kiddicraft stellt den Auslandsversand ab sofort ein. In einer Ankündigung durch den Neugründer und YouTuber Thorsten Klahold wurde erklärt, dass das Unternehmen seine Produkte künftig nicht mehr in andere Länder liefern wird.
Selbst Österreich wird vorerst nicht beliefert
Von der Entscheidung sind demnach mehrere EU-Staaten betroffen – darunter Länder wie Frankreich und Spanien, die aktuell nicht mehr beliefert werden. Klahold betont zudem, dass selbst Kunden aus Österreich derzeit leer ausgehen. Gleichzeitig stellt er in Aussicht, dass für Österreich eine zeitnahe Lösung möglich sein könnte.
In einem Videobeitrag legt Klahold die Kostenlogik dar: Bevollmächtigte, Registrierungen und weitere Formalitäten können pro Land jeweils mehrere Hundert Euro kosten. Für Österreich kalkuliert er rund 500 bis 600 Euro, für Frankreich zusätzlich etwa 400 bis 600 Euro – und zwar als wiederkehrende Ausgaben pro Jahr, nicht als einmalige Pflichtkosten. Wenn man alle EU-Länder beliefern würde, kommt er auf einen fünfstelligen Jahresbetrag. Besonders problematisch: Diese Fixkosten fallen bereits dann an, wenn aus einem Land nur eine Handvoll Bestellungen eingeht.
Der Ton in dem Beitrag ist emotional und richtet sich vor allem gegen die konkrete Ausgestaltung der Regulierung und deren Folgen für kleinere Firmen. Klahold positioniert sich dabei grundsätzlich als Befürworter der europäischen Idee und eines freien Binnenmarktes, macht aber deutlich, dass die Praxis im Alltag seine Zustimmung für die konkrete Umsetzung überlagert.
Auch politisch war die Verpackungsregel nicht komplett unumstritten: Im April 2024 stimmten 476 Abgeordnete des Europaparlaments dafür, 129 dagegen und 24 enthielten sich. Die finale Fassung lag zudem laut Darstellung bereits deutlich weiter vom ursprünglichen Entwurf entfernt, in dem strengere Mehrwegpflichten vorgesehen gewesen waren.
Widerstand wächst – mögliches „Abmildern“ der Umsetzung im Gespräch
Im Netz formiert sich laut Berichten vielerorts Widerstand gegen die neue Regel. Dabei wird auch intern über eine mögliche Abschwächung gesprochen: Ein EU-Beamter wird mit der Einschätzung zitiert, das Gesetz könne so weit entschärft werden, dass am Ende nur noch eine Registrierung für ganz Europa nötig wäre. Gleichzeitig soll der Bevollmächtigte aus Sicht der Kommission demnach ganz gestrichen werden können. Ob und wann das tatsächlich umgesetzt wird, ist jedoch offen, weil Änderungen an der Verordnung Zeit benötigen.
Fest steht zunächst: Das Gesetz gilt seit dem genannten Mittwoch. Parallel dazu sollen die Mitgliedstaaten bereits zu einer weniger strikten Auslegung der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) ermutigt werden. Ziel der neuen Verpackungsvorgaben ist es, Verpackungsmüll zu reduzieren und mehr Rohstoffe im Kreislauf zu halten. Gleichzeitig sollen die Regeln innerhalb der EU stärker vereinheitlicht werden, während neue Vorgaben zu Recyclingfähigkeit und Rezyklatanteilen in den kommenden Schritten ausgerollt werden.
Während die Diskussion weiterläuft, bleibt der Effekt für kleine Händler spürbar: Kiddicraft hat den Schritt in Richtung Auslandspause bereits umgesetzt. Das Unternehmen steht dabei nicht nur als Marke im Raum, sondern ist eng mit dem Klemmbaustein-Kosmos verbunden: Hinter Kiddicraft steht Thorsten Klahold, dessen Bekanntheit in Deutschland auch über rechtliche Auseinandersetzungen mit Lego und seinen YouTube-Kanal „Johnny’s World“ gewachsen ist. Zum Sortiment gehören unter anderem Burgen, Feuerwehrsets und Fantasymodelle; zudem werden eigene Minifiguren unter der Bezeichnung „Kiddiz“ angeboten, die auch in Modellen von Revell Verwendung finden.


