The X-Files Movie 2 Recut Hits Disney+ in Germany Without German Dub
Die nächste Debatte rund um Synchronstimmen hat ausgerechnet einen Klassiker getroffen: 18 Jahre nach dem zweiten Kinoabenteuer von „Akte X: Jenseits der Wahrheit“ ist eine neue Schnittfassung des Films auf Disney+ erschienen – in Deutschland jedoch nur auf Englisch. Während Fans bei der Frage nach deutscher Tonspur und passenden Stimmen seit Jahren um die Originalität ringen, zeigt die aktuelle Veröffentlichung, wie eng Lizenz-, Kosten- und Produktionsentscheidungen mit dem Hörgefühl einer Serie verknüpft sind.
Vom Kinofilm zur Sprecherfrage: Warum „Mulder“ in Deutschland wechselte
Als „Akte X“ zwischen 1993 und 2002 im Fernsehen produziert wurde, ließen die deutschen Fassungen die FBI-Agenten durchgehend mit ihren Synchronstimmen laufen: Benjamin Völz als Fox Mulder und Franziska Pigulla als Dana Scully. Im Jahr 2008 kehrte im Kinofilm zwar Pigulla zurück, für Mulder wurde jedoch Johannes Berenz eingesetzt.
Der Hintergrund liegt in einer offenen Verhandlung: Völz hatte für den zweiten Kinofilm statt seiner üblichen Gage von 4.000 Euro das Fünffache verlangt. Er begründete das als Prinzip – insbesondere mit der im Vergleich zu seiner Forderung deutlich höheren Vergütung für Prominente, die Animationsfiguren synchronisieren. Bei 20th Century Fox fand diese Forderung offenbar kein Gehör, weshalb man sich nach einem neuen Sprecher umsah.
Ein Teil des Marktes unterstützte Völz’ Haltung; einige seiner Kollegen forderten ebenfalls 20.000 Euro. Berenz sagte dagegen für 2.000 Euro zu. Aus Sicht der langjährigen Zuschauer gilt die Entscheidung bis heute als Bruch, nicht als Qualitätsurteil über Berenz’ Arbeit.
Warum das Thema Jahre später wieder aufflammte
Fast acht Jahre später ging es beim Spielraum für neue Folgen erneut um Budget und Forderungen. In einem Bericht wurde aufgegriffen, dass ProSiebenSat.1 nicht bereit war, Völz’ gewünschte Vergütung in unbekannter Höhe zu übernehmen. Dabei sei Völz bereits von der ursprünglichen Summe abgerückt und dem Sender um zehn Prozent entgegengekommen worden. Dennoch wurden die Staffeln aus dem Zeitraum 2016 bis 2018 hierzulande ohne Völz veröffentlicht. Gleichzeitig wurde betont: Wenn Völz der letzten Forderung nachkommt, wäre er jederzeit wieder bereit, Fox Mulder zu sprechen.
- Völz wollte für den zweiten Kinofilm 20th Century Fox zufolge deutlich mehr als seine übliche Gage.
- 20th Century Fox suchte daraufhin einen Ersatz, der für einen niedrigeren Betrag zusagte.
- Spätere Staffel-Ausstrahlungen in Deutschland fanden ohne Völz statt, weil die Forderungen offenbar nicht übernommen wurden.
Staffel 10 und 11: Petition, Kritik und ein neuer Mulder
Als es für die Staffeln 10 und 11 nahelag, wieder einen etablierten Mulder-Synchronsprecher zu besetzen, kam es anders: Statt Johannes Berenz wurde Sven Gerhardt verpflichtet. Gerhardt war beispielsweise als deutsche Stimme von Josh Hartnett in „Oppenheimer“ zu hören, während Matt Damon dort von Simon Jäger synchronisiert wurde.
Die Reaktion der Fans fiel deutlich aus: Sie starteten eine Petition, um Benjamin Völz zurückzuholen. In anderen Produktionen sei Völz zwar weiterhin eingesetzt worden, doch die Bemühungen führten nicht zum gewünschten Ergebnis.
Als Kritik öffentlich wurde, soll ProSiebenSat.1 über Social Media nach außen spürbar wenig Verständnis signalisiert haben. Auf die Frage, ob man Einwände gegen die Synchronstimme ernst nehme, hieß es sinngemäß, man habe die „zwanzig Stimmen“ gehört, die urteilen, ohne beurteilen zu können.
Gerhardt selbst erklärte später in einem Interview, er werde keine Rolle mehr ohne vorherige Absprache übernehmen, wenn ein anderer Synchronsprecher betroffen sei. Zudem wird berichtet, dass es zur damaligen Zeit zu Anfeindungen unter Kollegen gekommen sei.
Neuschnitt auf Disney+: Neue Version, aber keine deutsche Tonspur
Vor wenigen Tagen ist eine neue Schnittfassung des zweiten Kinofilms erschienen: „The X-Files: I Want to Believe – Vrach Frankenshteyn“. Die Veröffentlichung wird nicht als reine Extended-Fassung eingeordnet, sondern als eigener Recut. Der Fokus liege stärker auf Horrorelementen; außerdem sollen Szenen zurückkehren, die damals mit Blick auf eine angestrebte Jugendfreigabe entfernt worden waren.
Für Deutschland ist jedoch entscheidend, wie Disney den Film anbietet: Der Titel wurde hierzulande nur mit englischer Sprachausgabe und lediglich mit englischen Untertiteln veröffentlicht. In der Disney-Plus-App ließ sich der Film über die Suchbegriffe „Akte X“ oder „X-Files“ nicht finden. Stattdessen ist der Recut offenbar in den Extras zum zweiten Kinofilm versteckt.
Was das für die deutsche Synchronzukunft bedeutet
Die aktuelle Lage wirft eine Reihe von Produktionsfragen auf. Falls die getrennten deutschen Sprachaufnahmen bzw. passende Synchron-Master noch vorliegen, könnten theoretisch Teile der Synchronisation aus der ursprünglichen Fassung übernommen werden. Für neue oder anders platzierte Szenen wäre jedoch wahrscheinlich eine Nachsynchronisation nötig.
Genau hier entstehen Probleme: Franziska Pigulla starb bereits 2019. Norbert Gescher starb 2021 im Alter von 82 Jahren und hatte zudem seit 2010 nicht mehr synchronisiert. Johannes Berenz ist als Option zwar denkbar, aber seine Stimme könnte im Vergleich zu früheren Aufnahmen inzwischen älter wirken. Eine Mischung aus neuen und alten Sprechern würde nach dieser Logik schnell wie ein „Flickenteppich“ ausfallen.
Als günstige Alternative wird ein bekanntes Vorgehen beschrieben: Man nutzt vorhandene Synchronspuren und lässt neue Szenen im Originalton, ergänzt durch Untertitel. Eine komplett neue deutsche Synchronfassung wäre ebenfalls möglich – doch es bleibt fraglich, ob man Völz 18 Jahre später gezielt für einen Streaming-Release gewinnen könnte. In diesem Fall wäre es eher auf Berenz oder Gerhardt hinausgelaufen. Das hätte für Fans eine neue Ungleichheit bedeutet: Mulder und Scully hätten dann nicht mehr zwingend ihre gewohnte deutsche Stimme.
Auch ein „hybrider“ Ansatz wird als theoretische Option angedeutet: Völz würde Mulder neu sprechen, während verwertbare Pigulla-Aufnahmen erneut genutzt und durch zusätzliche neue Sprachaufnahmen einer ähnlich klingenden Kollegin ergänzt würden. Diese Lösung wird als vermutlich am ehesten tragbar bewertet – zugleich aber als wenig wahrscheinlich.
Vor diesem Hintergrund gilt die englische Fassung mit englischen Untertiteln im Moment als naheliegende Lösung. Ob Disney später noch eine deutsche Synchronfassung nachreicht, ist bislang nicht bekannt, und jede Variante würde nach dieser Betrachtung Kompromisse bedeuten.


