Former Microsoft Employee Explains Why Windows Was Deprioritized Internally
Windows war über Jahrzehnte ein Eckpfeiler von Microsoft – doch intern verlagerte sich der Schwerpunkt über die Jahre spürbar. Ein ehemaliger Mitarbeiter beschreibt, wie andere Geschäftsfelder stärker in den Fokus rückten, während das Betriebssystem als Produkt weniger direkte Relevanz erhielt. Mittlerweile gibt es jedoch Hinweise darauf, dass Microsoft Windows wieder stärker als strategische Plattform behandeln will.
Der Blick stammt von Ewan Dalton, der mehr als 26 Jahre bei Microsoft beschäftigt war und unter anderem an Exchange Server, Azure sowie an Microsofts Business-Anwendungen mitarbeitete. In seiner Einschätzung habe sich die Bedeutung von Windows innerhalb des Konzerns zunehmend verschoben. Statt Wachstum und Aufmerksamkeit vor allem beim Betriebssystem zu suchen, versprach Dalton zufolge eher das Umfeld rund um Cloud und andere Softwarebereiche höhere Dynamik.
Ein zentraler Grund dafür liegt in der Art, wie Nutzer Windows heute typischerweise bekommen. Privatkunden erwerben das Betriebssystem vergleichsweise selten als eigenständige Lizenz. Bei Fertig-PCs ist Windows bereits vorinstalliert, und Unternehmen beziehen die Software häufig im Rahmen von Microsoft-365-Verträgen. Damit spielt eine zusätzliche Einzel-Lizenz für das Betriebssystem im Verhältnis eine deutlich kleinere Rolle als früher.
Parallel dazu investiert Microsoft stark in andere Bereiche, die als besonders wachstumsrelevant gelten. Cloud-Dienste und künstliche Intelligenz werden dabei als wichtige Treiber genannt. Dalton beschreibt die Situation sinngemäß mit der Frage, welches von mehreren „Kindern“ die höchste Priorität bekommt: In einem Unternehmen dieser Größe fließen Ressourcen vor allem dorthin, wo man Wachstum oder strategische Vorteile erwartet.
Auch organisatorische Änderungen hätten die Entwicklung beeinflusst. Im Jahr 2018 wurden zentrale Teile rund um Windows auf verschiedene Unternehmensgruppen verteilt. Dadurch habe Windows laut Bericht zeitweise nicht mehr so direkt an die Unternehmensspitze angebunden gewesen sein. Erst unter Panos Panay wurden die Windows-Teams 2020 wieder zusammengeführt und enger mit der Surface-Sparte verbunden.
Dass sich das Blatt womöglich erneut wendet, deutet Microsofts aktuelle Kommunikation an. Ende Juli erklärte CEO Satya Nadella, man investiere in Windows, um sicherzustellen, dass es „die beste Qualität und die besten Grundlagen“ bietet. Dalton sieht in dieser Haltung Parallelen zu einer früheren Phase: Anfang der 2000er-Jahre zwangen Schadprogramme wie Code Red und Nimda Microsoft zu einem Kurswechsel. Im Zuge der Initiative „Trustworthy Computing“ sei die Entwicklung zeitweise zugunsten von Sicherheitsmaßnahmen zurückgestellt worden. Damals habe Bill Gates als Leitlinie formuliert, dass im Konfliktfall zwischen neuen Funktionen und Sicherheitsproblemen die Sicherheit Vorrang haben müsse.
Analog dazu könnte Microsoft diesmal stärker auf die Qualität der Basisfunktionen von Windows setzen. Nadellas Aussagen beziehen sich dabei ausdrücklich auf grundlegende Teile des Betriebssystems. Gleichzeitig arbeitet Microsoft an weiteren Verbesserungen für Windows 11. Dazu zählen neue Möglichkeiten zur Wiederherstellung des Systems: Eine aktuell als Vorschau verfügbare Funktion namens „Cloud rebuild“ soll eine vollständige Neuinstallation direkt über Windows Update ermöglichen.


