HandOfBlood (Maximilian Knabe) skips Gamescom 2024 to rebalance priorities
Maximilian Knabe, der unter dem Namen HandOfBlood vor allem auf Twitch, YouTube und Co. unterwegs ist, zieht sich für die diesjährige Gamescom aus dem Messegeschehen in Köln zurück – und begründet das nicht mit fehlendem Interesse, sondern mit dem Versuch, seine Zeit, Energie und Prioritäten anders zu managen. In einem ausführlichen Gespräch macht er klar, wie er die Balance zwischen eigener Medienpräsenz, mehreren Business-Baustellen und dem Blick auf die Branche organisiert.
Warum HandOfBlood dieses Jahr nicht vor Ort ist
Knabe beschreibt, dass Gamescom für viele Influencer in der Gaming-Szene wirtschaftlich wie ein zusätzliches „fünftes Quartal“ wirkt. Gleichzeitig habe man intern im letzten Jahr den konkreten Nutzen hinterfragt: Muss er wirklich persönlich anwesend sein? Die Antwort lautet offenbar nein.
Er berichtet, dass es für Buchungen und Inhalte inzwischen auch ohne physische Reise funktioniere. Zudem seien Anfragen von Kundenseite ein Argument gewesen: Ob der Bühnenauftritt gestreamt werden könne. Laut Knabe sei das in der Vergangenheit oft an der kurzen Live-Dauer gescheitert – für ein Publikum, das auf Video-Formate ausgelegt ist, sei „nur kurz live“ unattraktiv gewesen. Die neue Lösung: Knabe schaltet sich anders ein, statt die ganze Gamescom-Woche mit Hotelaufenthalt, wenig Schlaf und körperlicher Belastung in Kauf zu nehmen.
Auf die Frage, ob er damit seine Rolle auf der Messe aufgibt, betont Knabe eher eine Verschiebung: Er erklärt, er habe früher vor allem das „Bühnen“-Entertainment mitgenommen, ohne neue Infos aus der Spielewelt wirklich zu erfassen. Heute sieht er das als näher an dem, was er als Creator ohnehin macht. Zusätzlich habe man einen Außenreporter nach Köln geschickt, um neue Eindrücke zu sammeln und das Event gemeinsam zu beobachten – und habe damit laut eigener Aussage zuletzt „unfassbar gut“ gearbeitet.
Als weiterer Punkt nennt er, dass man zwar über eine Präsenz im Event-Bereich nachgedacht habe, aber nach Abwägung dagegen entschieden habe. Sein Fazit: Gamescom sei ein „Knochenjob“, und wenn man die Reiseaufwände sparen könne, ohne dass Inhalt und Ergebnis leiden, werde man das auch wieder so machen.
„Ohne mich muss es auch funktionieren“
Knabe ist nicht nur Creator, sondern beschreibt sich selbst als Person mit sehr vielen parallelen Aufgaben: Spieleveröffentlichung, Agenturleitung, weitere Unternehmertätigkeit und Aktivitäten außerhalb der Gaming-Welt. Für ihn sei deshalb wichtig, einen Modus zu finden, der seine Arbeitskraft „als endliche Ressource“ möglichst gut einsetzbar macht.
Er sagt, er fühle sich nicht gestresst im Sinne von dauerhaftem Druck, aber ein Stück weit getrieben. Gleichzeitig habe man mit den Mitgründern bereits einen Plan etabliert, in dem ganze Bereiche notfalls auch ohne ihn laufen sollen: Samstag und Sonntag seien streaming-frei, Montag werde testweise ebenfalls frei gehalten.
Knabe macht dabei deutlich, dass er den Eindruck, „es geht ohne ihn nicht“, nicht einfach stehen lässt. Er erklärt, die eigene Einbindung sei noch immer der beste Hebel für viele Projekte, aber man mache bewusst Schritte, damit Dinge auch anders funktionieren. Den Prozess der „Emanzipierung“ stellt er als eine Art Altersvorsorge dar.
Getränke-Launch: Community-Fragen sind auch Logistikfragen
Knabe hat im Juli sein drittes Getränk gelauncht: Knabe Mix. Er sagt, die Reaktionen der Community seien schwer in Zahlen zu fassen, aber durchgehend positiv. Er beschreibt dabei auch die Erwartungshaltung: Manchmal wirke es so, als wäre er persönlich der Auslöser einer längst überfälligen Cola-Neuheit. Seine Community sei jedoch vor allem engagiert, stelle Fragen und suche die nächsten Schritte im Austausch.
Auch Kritik ordnet er ein: Vereinzelt sei der Vorwurf gekommen, er verdiene am Ende nur Geld mit einem Genusprodukt. Das sei zwar grundsätzlich nachvollziehbar, aber der besondere Use Case liege darin, sich unabhängiger von Sponsoren zu machen. Er verweist außerdem auf die bisher übliche Influencer-Logik mit „Brandhopping“ und darauf, dass eigene Produkte für ihn in vielerlei Hinsicht einfacher und selbstbestimmter seien.
Zu den konkreten Fragen aus der Community gehören laut Knabe Details wie Verpackungsform und Timing: Warum bestimmte Varianten in Glas statt PET, wie es mit Ein-Liter-Flaschen und verschiedenen Gebindegrößen aussieht und wann/wo verfügbar wird.
Knabe erklärt, dass die Getränkeindustrie dabei deutlich komplexer sei als Merch- oder Games-Werbung über Bestelllinks. Er nennt als Beispiel die Logik im Handel: Edeka sei stark dezentral organisiert, mit regionalen Strukturen und Möglichkeiten, ob Märkte ordern. Kaufland sei anders aufgebaut, dort gelte die Listung offenbar filialübergreifend. Gerade diese Unterschiede würden viele Community-Mitglieder verwirren, weil Influencer für andere Produkte meist eine klare „hier ist der Link“-Erwartung prägen.
Besonders betont er die Einführung von Knabe Malz in Glasflaschen als „riesigen Akt“ und „Riesen-Investition“. Glasflaschen kämen nicht einfach „von irgendwo“, selbst ein Kasten koste laut seiner Schätzung einen zweistelligen Eurobetrag. Außerdem brauche man Logistik: Flaschen und Kästen müssten gewaschen, neu aufbereitet und entsprechend behandelt werden. Deshalb seien Dosen als erster Schritt deutlich realisierbarer.
Bei der Diskussion um Einweg-PET beschreibt Knabe ein Spannungsfeld: Auf der einen Seite sei die Nachfrage aus der Community groß, weil das Produkt dadurch günstiger sein könnte und mehr Menschen erreicht. Auf der anderen Seite sei das Thema Nachhaltigkeit kontrovers und erklärungsbedürftig. Er sagt, dass diese Debatten bei ihnen nicht nur intern geführt würden, sondern auch im Austausch mit Krombacher und mit der Community.
Entwicklung von Knabe Mix: mehrere Testtermine mit Krombacher
Zur Frage nach der Rezeptentwicklung erklärt Knabe, wie der Prozess bei Knabe Mix grob ablief. Er berichtet, dass sie im November im Vorfeld verschiedene Spezi- und Kola-Mix-Getränke eingekauft hätten. Anschließend habe er auf einer Fahrt zur Bonjwa LAN auf einer Raststätte selbst Spezi getankt und daraus eine Richtung abgeleitet.
Es folgten Fragebögen und Überlegungen, wie man die gewünschten Eigenschaften so beschreiben kann, dass das Labor bei Krombacher damit arbeiten kann. Danach seien mehrere Tastings erfolgt: Insgesamt nennt er drei bis vier Termine. Er vergleicht sich dabei mit Julius Caesar, der ohne formale Produktentwicklungs-Ausbildung eher als Laie Feedback geben muss, während Experten und Expertinnen die eigentliche Ausarbeitung übernehmen.
Bei der Zero-Variante zeigt er sich laut eigenen Aussagen besonders zufrieden. Er sagt, gerade bei Zero-Produkten und Cola-Orange-Mixgetränken gebe es seiner Wahrnehmung nach selten wirklich gute Optionen, weshalb ihn die Zero-Version besonders überzeugt.
E-Sport-Werte, Geldflüsse und der Umgang mit Sponsoring
Knabe äußert sich auch weiterhin grundsätzlich kritisch zum Esports World Cup, der von Saudi-Arabien organisiert und finanziert wird. Er nennt mehrere Aspekte: Frust, weil es der E-Sport-Branche ohnehin schlecht gehe – und ein generelles Risiko, dass es noch schlimmer werde, falls das Sponsoring ausbleibe. Er kritisiert außerdem das moralische Spannungsfeld: Er beschreibt es als „vom hohen Ross“ wirkende Haltung, wenn sich die Szene anbiedert, obwohl ohne diese Geldquellen vieles kaum überlebt.
Gleichzeitig differenziert er: Es gebe kleinere Organisationen, die stärker angewiesen seien, aber auch große Publisher, die mitmachen. Er nennt außerdem, dass Publisher Werte kommunizieren und sich daran messen lassen müssten.
Knabe sagt, er würde selbst dann, wenn Eintracht Spandau ohne saudisches Geld keine Existenz hätte, einen Schlussstrich ziehen und „dann lassen wir es“. Er erklärt, das sei seine persönliche Grenze: Er wolle nicht Sports-Washing für die Saudis betreiben.
Auf die Frage, ob man aus finanzieller Not irgendwann Verträge mit Problem-Partnern akzeptieren müsse, antwortet er mit Abstufungen. Er nennt als Beispiel Eintracht Spandau und den früheren Trikotsponsor Uber Eats: Damals habe es die Entscheidung gegeben, diesen Sponsor zu nehmen, um eine finanzielle Schieflage zu vermeiden und gleichzeitig die bessere Position in der Zukunft zu erreichen, um weniger auf kontroverse Sponsoren angewiesen zu sein. Er ordnet ein, dass es trotz solcher Notwendigkeiten klare Grenzen gebe.
Für ihn werde diese Grenze persönlich erreicht, wenn ohne „Scheich-Geld“ der Betrieb nicht mehr möglich wäre. Dann würde er nicht weitergehen.
Was Knabe für den Games-Standort Deutschland zuerst ändern würde
Zum Abschluss geht Knabe auf die deutsche Games-Branche ein. Er sagt, er würde zuerst die Gemeinnützigkeit für E-Sport deutlich stärker vorantreiben, damit E-Sport in Deutschland optimal gefördert werden kann. Danach fordert er eine bessere wirtschaftliche Standortstrategie: Er meint, Deutschland habe den Markt und die Konsumentenstärke, habe aber „verpasst“, früh genug eine Basis aufzubauen, um starke Studios und große Publisher hier zu halten.
Er stellt zudem klar, dass Triple-A-Publisher für die Games-Förderung eine Rolle spielen, um Standorte zu stärken. Gleichzeitig wünscht er sich ein weniger bürokratisches Konzept für unabhängige Entwickler, das auch von Studierenden ohne umfangreiche Experten- und Finanzressourcen verstanden und umgesetzt werden könne. Zielbild: Indie-Games, die in relevanten Stückzahlen auf Plattformen wie Steam landen könnten, und damit mehr Unternehmertum im Umfeld.


